Review: Star Trek Deep Space Nine – Visionary (S03E17)

Montag, 27. Februar 1995 – vor genau 20 Jahren lief in Amerika die Star Trek: Deep Space Nine Folge Visionary über den Äther. Und es ist mal wieder eine Zeitreise-Episode bei Star Trek. Für Fans sind das oft echte Highlights, denn – ehrlich gesagt – Zeitreisen gehören ja zum Spannendsten, was SciFi zu bieten hat. Das hat mehrere Gründe: Immer wieder spielen die Folgen mit Zeitparadoxien, merkwürdigen Zusammenhängen und vor allem mit Identitätsfragen. So auch in Visionary:

Bei einem Unfall während einer Reparatur wird  Miles O’Brien (Colm Meany) radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Kurz darauf stellt sich heraus: Er springt fortan unkontrolliert einige Stunden in die Zukunft und erfährt dabei, dass Deep Space Nine in großer Gefahr schwebt. Gleichzeitig verlangt eine Delegation der Romulaner Informationen von Starfleet über das Dominion, dem aufkommenden Gegner im Gamma-Quadranten. Und die Besatzung eines klingonischen Frachters sorgt für Aufregung.

Genialer Jump Cut

Raffiniert ist, wie die Episode mit nur wenigen Sekunden die grundsätzliche Logik des Zeitreisens etabliert. O’Brien demonstriert Quark, wie Dart funktioniert. Während er wirft, springt er einige Stunden in die Zukunft, hört dort, dass Klingonen eine Holo Suite zerstört haben. Zurück in der Gegenwart landet der Dart auf der Scheibe. Unmittelbar nach der Rückkehr aus der Zukunft bricht O’Brien zusammen. Der Zuschauer weiß von Beginn an: Der Zeitsprung erfolgt ohne Unterbrechung der Jetzt-Zeit.

Star Trek Deep Space Nine - Visionary (Screenshot: hgk)
Genialer Jump Cut in Star Trek Deep Space Nine – Visionary (Screenshots: hgk)

In mehreren Zeitsprüngen erlebt O’Brien Chaos auf der Raumstation, seinen eigenen Tod und erhält letztlich eine Warnung davor, dass Deep Space Nine zerstört werden wird. Inzwischen wird klar: Eine Singularität in der Nähe der Station verursacht O’Briens Zeitsprünge – erfahrene Star-Trek-Zuschauer wissen bereits, was das bedeutet:

Ein romulanischer Warbird soll die Station und das Wurmloch zerstören, sobald die Delegation ihre Arbeit erledigt hat. Der Plot rund um die klingonischen Saboteure zeigt einen Odo in Top-Form („I always investigate Quark“) und gibt Visionary ein glaubwürdiges Gerüst.

Wie wohl jede Zeitreise-Folge heißt es auch in Visionary: Was haben die Handlungen in der einen Zeitebene für Folgen für die andere? Da es hier um den Informationstranfer aus der Zukunft in die Gegenwart bedeutet, sieht O’Brien während seiner Zeitsprünge Geschehnisse, die später in veränderter Form passieren oder aber gar nicht eintreten.

Zum Schluss sehen wir, wie O’Brien von einem Zeitsprung nicht mehr zurückkommen kann, weil er zu hoher Strahlung ausgesetzt war, um einen kontrollierten Sprung in die Zukunft auszuführen – die Rückkehr ist ihm unmöglich. Er gibt dem O’Brien der Zukunft sein Zeitreise-Gadget, damit dieser die Zerstörung von Deep Space Nine verhindert. Dieser Austausch wirft natürlich Fragen auf: Ist das der echte Miles O’Brien? Klar ist aber auch: Visionary geht nicht soweit, eine andere Biographie zu behaupten. Die Effekte des Zeitreisens und die daraus resultierenden Veränderungen in der Gegenwart bewirken zwar tatsächlich Abweichungen, aber der O’Brien der Zukunft hat anscheinend keine andere Biographie – obwohl er selbst womöglich keine Zeitsprünge erlebt hat.

 tl;dr

  • Deep Space Nine, Visionary (S03E17): Clevere Episode mit genialem Jump Cut
  • Weiter geht es mit Distant Voices am 20. April