Thoughts on: Better Call Saul – Alpine Shepherd Boy (S01E05)

Wer Breaking Bad kennt weiß: Nach einer furiosen Folge wie Hero folgt ein Tempowechsel. Jetzt auch bei Better Call Saul. Im Nachgang von Hero zeigt sich: Mit dem Ruhm kommen die Knallköpfe.

Caution: Spoilers Ahead 🙂

Und was für ein Tempowechsel: Insgesamt zählt Alpine Shepherd Boy nur 11 Sequenzen. Mehrere davon länger als fünf Minuten. Wie schon bei Breaking Bad in solchen Folgen zeigt auch Better Call Saul, was die vorangegangenen Ereignisse bewirken. McGill erhält seit seinem Stunt mit der (fingierten) Rettung eines Arbeiters Aufträge. Aber es melden sich genügend Wahnsinnige: Zu Beginn soll McGill einem Großgrundbesitzer helfen, sich von den USA zu trennen und einen eigenen Mikro-Staat zu gründen. Bezahlt wird Jimmy schon einmal in der neuen Währung. Der nächste Fall ist in Erfinder, der einen sexualisierten Klodeckel erfunden hat. Diese skurrilen Anfragen meistert McGill natürlich redegewandt – besonders stark ist er am Anfang: „I refuse to consider myself a victim!“.

Sicher: Schon Jimmy McGill ist mit seiner Art eher eine Art persona als ein real wirkender Mensch. Alpine Shepherd Boy bezieht sich genau darauf: Er entdeckt, dass Senioren besondere Hilfe in puncto Jura benötigen. Eine Rentnerin will eine Tonfigur (ein Hirtenjunge, siehe Episodentitel) vererben – natürlich nur unter besonderen Bedingungen und in einer bestimmten Reihenfolge. Für dieses Testament kassiert McGill immerhin 140 $. Das spornt ihn an:

Better Call Saul - Alpine Shepherd Boy (S01E05): McGill auf dem Weg zu einer seriösen Einnahmequelle? (Screenshot: hgk)
Better Call Saul – Alpine Shepherd Boy (S01E05): McGill auf dem Weg zu einer seriösen Einnahmequelle? (Screenshot: hgk)

Später sieht man, wie er sich bei der Fernsehsendung Matlock Tipps für eine Verkleidung sucht, mit der er in einem Altenheim auf Kundenfang geht – natürlich als Reinkarnation von Ben Matlock. Diese persona dürfte der erste Schritt hin zum überdrehten, schrillen Saul Goodman sein. Spannend daran ist aber letztlich: Mit seiner Verkleidung sucht er Anschluss in einem legalen Spielfeld. Letztlich wird er aber in eine ganz andere Richtung schreiten – das wissen wir Zuschauer ja schon im Vorfeld.

Schön an der Folge: Die etwas merkwürdige „condition“ von Chuck McGill wird näher beleuchtet. Ist es Einbildung? Ist es echt? Das bleibt auch in dieser Folge noch offen – aber Chuck wirkt nach dieser Folge als Figur deutlich plausibler.

Auch Mike kommt langsam aber sicher aus seinem Parkplatz-Häuschen heraus. Musste auch mal sein – als einfacher Parkwächter wirkt der Schauspieler unterfordert. Und man kann sich schon denken, wie Mike und Saul miteinander in Kontakt kommen:

Wird Mike bald seinen Anwalt anrufen müssen? Und vor allem: Wer wird es sein? 😉

Better Call Saul gefiel mir von Anfang an. Es ist vielleicht das beste Spin-Off, das sich Fans von Breaking Bad hätten wünschen können. Es ist ja irgendwie selbst eine Breaking-Bad-Geschichte.