Berliner Philharmoniker: Warum keine Chefdirigentin?

Die Berliner Philharmoniker sind ja bei ihrer Chef-Suche gescheitert. Die genauen Gründe sind nicht öffentlich bekannt. Mein Wunsch ist, dass dieser hier zumindest eine Rolle gespielt hat: Warum keine Chefdirigentin? Wer sich die Kandidatenliste bei Spiegel Online durchliest, fragt sich schon: Warum ist da keine Frau dabei?

Das Problem liegt wohl im System: Wer nach „Dirigentin“ sucht, erhält eine ernüchternd kurze und vor allem wenig lebendige Ergebnisliste. Immerhin gäbe es einige Kandidatinnen. Der Spiegel hat Karen Kamensek portraitiert und das Goethe-Institut hat einen Artikel zum Traumberuf Dirigentin veröffentlicht. euronews.com berichtet immerhin über Elim Chan, die den Flick-Wettbewerb für Nachwuchs-Dirigenten gewonnen hat. Preis: Ein Jahr mit dem London Symphony Orchestra zusammenarbeiten (das ist doch was). Ansonsten sieht es sehr düster aus in puncto öffentlicher Aufmerksamkeit für Dirigentinnen. Schade.

Meine kurze Google-Suche nehme ich mal als Hinweis darauf, dass die Musik-Welt (v.a. die klassische, um die es hier geht) Frauen benachteiligt. Vielleicht ist es die Arbeitsbelastung, vielleicht ist es das Publikum, vielleicht die Musiker: Geschenkt. Hier muss sich was ändern! Für Berlin wäre es eine fantastische Nachricht, wenn unter den diskutierten Kandidaten wenigstens eine oder zwei Frauen wären. (Klar, die oben verlinkte Liste hat ein Spiegel-Redakteur aufgestellt und muss nicht den tatsächlich diskutierten Kandidaten entsprechen. Mir ist auch nicht bekannt, ob hinter verschlossenen Türen nicht auch über eine Kandidatin für den Chefdirigenten/Innen-Posten verhandelt wurde. Ich hoffe es aber!)

P.S.: Schon vor der gescheiterten Wahl kommentierte (viel infomierter als ich) die Neue Musikzeitung die Kandidatenliste für den Chefsessel der Berliner Philharmoniker – alle durchgefallen. Stattdessen bringt Martin Hufner die Dirigentin Joanna Mallwitz (aktuell in Erfurt Generalmusikdirektorin) ins Spiel.